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Ehrenzeichenverleihung Wolfgang Pucher durch Hundstorfer: silbernes Ehrenzeichen 2015 (© Gerd Neuhold)

Pfarrer Wolfgang Pucher erhält das silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich

Eine ganz besondere Ehre wurde dem Grazer Pfarrer Wolfgang Pucher zuteil. Am Freitag, den 20.11.2015 erhielt der oft liebevoll genannte „Vinzi-Pfarrer“ das silberne Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich. Die große Überraschung: Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, Rudolf Hundstorfer, kam persönlich nach Graz, um das Abzeichen im Rahmen eines Festaktes in der Pfarre St. Vinzenz zu überreichen. Pfarrer Wolfgang Pucher, geboren am 31.3.1939, stellt sein unermüdliches Engagement in den Dienst derer, die es am meisten brauchen: den Ärmsten der Armen. Sein verdienstvolles Wirken für Österreich, die Gründung der 38 VinziWerke, sein Tun für die Stadt Graz und die Pfarre St. Vinzenz beschert ihm diese ehrenvolle Verleihung, seit er 1963 zum Priester geweiht wurde. Das silberne Ehrenzeichen hätte bereits im Juni 2015 zum großen 25-Jahr-Jubiläum der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg übergeben werden sollen. Aufgrund der Amokfahrt in der Grazer Innenstadt wurde das zweitägige Fest am Hauptplatz allerdings auf Juni 2016 verschoben. Die Ehrung für Pfarrer Wolfgang Pucher wurde nun nachgereicht und die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg gratuliert ihm ganz herzlich: "Wolfgang, das hast du dir redlich verdient!"

Gründer der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg
und der 38 VinziWerke

Mitglied der „Kongregation der Mission“ = „Lazaristen“ = „Vinzentiner“

31. März 1939 wurde ich in Hausmannstätten bei Graz als erstes von drei Kindern der Schneiderin Theresia und des Schuhmachers Karl Pucher geboren. Aufgewachsen bin ich im Dorf Zerlach, Pfarre Kirchbach in der Oststeiermark.
Nachdem mein Vater 1943 im Krieg gefallen war, musste die Mutter mit einer kleinen Waisenrente ihre Kinder großziehen. Das aus zwei Räumen bestehende Heimathaus mit einer Gesamtwohnfläche von 32 m2 konnte im Winter nicht genügend beheizt werden, sodass wir Kinder des Öfteren den Tag gemeinsam in einem Bett verbrachten. Es gab weder ein Bad, noch eine Toilette, noch Wasser im Haus. Bis zu meiner Priesterweihe 1963 hatten wir auch keinen elektrischen Strom.
Pfarrer Wolfgang Pucher:  (© Pfarrer Wolfgang Pucher)


1949 entschloss ich mich, Priester zu werden. Ich kam ins bischöfliche Knabenseminar nach Graz. Ich war einer der wenigen Schüler, die kein Jausenpaket hatten. Vor Hunger habe ich manchmal in der Vormittagspause aus dem Speisesaal Brot gestohlen.

1952 musste ich wegen mangelnden Lernerfolges das Bischöfliche Seminar verlassen. Ich übersiedelte in das Knabenseminar der Lazaristen nach Graz-Eggenberg und besuchte das damalige „2. Bundesgymnasium“ (heute Carnerigymnasium).

1958 maturierte ich und trat in das Klerikat der „Kongregation der Mission“ (Lazaristen) in Graz ein.

1963 wurde ich in der Wallfahrtskirche Mariatrost zum Priester geweiht.

1963 bis 1966 war ich Erzieher im Knabenseminar der Lazaristen in Eggenberg.


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1966 bis 1969 habe ich als Kaplan in der Kirche zur Schmerzhaften Mutter in Graz die Jugend und Jungschar geführt und in der Schule Religion unterrichtet. Wir haben damals ein von ca. 300 Kindern und Jugendlichen besuchtes Jugendzentrum im Keller des Pfarrhauses eingerichtet. Schon damals wurden besonders ärmere Kinder und Familien betreut.

1969 bis 1973 war ich am österreichischen St. Georgskolleg in Istanbul. Ich hatte das Internat für 80 moslemische Buben zu leiten, war für die Prokuratur verantwortlich, war Seelsorger der österreichischen Gemeinde und für die Caritas verantwortlich. Das Schicksal der 10.000 Straßenkinder Istanbuls bewog mich dazu, mit der Österreichischen Caritas Kontakt aufzunehmen und ich versuchte, für diese Allerärmsten eine Hilfe zu organisieren. Durch meine Rückversetzung nach Österreich kam es nicht mehr dazu.

Seit 2. Juni 1973 bin ich Pfarrer in Graz-St. Vinzenz (10.300 BewohnerInnen, davon rund 6.500 Katholiken). Mein Hauptengagement galt vorerst der Delogiertensiedlung, in der damals in 4 Häusern 800 Menschen (davon 200 Kinder) lebten. Arbeitslosigkeit und Alkohol gehörten zu ihrem Leben dazu.

1990 entstand die Jugend-Vinzenzgemeinschaft Eggenberg

1992 stellte diese Gruppe auf dem Sportplatz der Pfarre St. Vinzenz für 100 Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien Zelte auf. Die Zeltbewohner kamen Großteils aus den Kriegsgebieten des Balkans. Sie lebten völlig unbetreut in den Räumlichkeiten des Grazer Hauptbahnhofes. Im Zeltdorf wurden sie erstmals mit Quartier, Essen und Kleidung versorgt.

Seit 7. Dezember 2005 bin ich geistlicher Beirat der Vinzenzgemeinschaften Österreich.

Am 24. Oktober 2005 wurde ich von der Zeitung „Die Presse“ zum Österreicher des Jahres in der Kategorie „humanitäres Engagement“ gewählt (Austria05).

2008 Verleihung des Greinecker-Preises für Zivilcourage durch den ORF 2011. In diesem Jahr ist die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg massiv gegen das geplante Bettelverbot in der Steiermark aufgetreten, hat Netzwerke mobilisiert und mit einer Großdemonstration (1.000 Teilnehmer, mehr als 100 Gruppen) und einer Petition an den Landtag (10.000 Unterschriften) versucht, den Beschluss des Bettelverbotes in der Steiermark zu verhindern.

Am 2. Mai 2011, dem 1. Tag des mittlerweile gültigen Bettelverbotes, habe ich mit Univ.Prof. Wolfgang Benedek, Univ. Prof. Philipp Harnoncourt, mit dem ehemaligen Landtagspräsident Dr. Kurt Flecker und dem ehemaligen Intendanten des ORF Steiermark Emil Breisach demonstrativ vor dem Landhaus gebettelt.

Am 2. Juni 2012 wurde ich im Essl Museum Klosterneuburg von KR Martin Essl mit dem Essl Sozial Prize für mein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von einer Million Euro wird von der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg eine völlig neue Form der Wohnbetreuung obdachloser Menschen in der Stadt Salzburg umgesetzt.

2013 feier ich mein 50-jähriges Priesterjubiläum und mein 40-jähriges Pfarrjubiläum

Auszeichnungen:

1988 Ehrenzeichen der Landeshauptstadt Graz in Gold
1998 Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark
2000 Ute Bock Preis von SOS Mitmensch
2002 Bundesehrenzeichen
2005 Österreicher des Jahres im Bereich Soziales
2005 Ehrenbürger von Hostice (Bettlerdorf in der Slowakei)
2008 Greineckerpreis für Zivilcourage
2008 Leopold Kunschak – Anerkennungspreis
2009 Gustl 58 „Initiative zur Herzensbildung“
2015 Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich
2017 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark




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